Zeigt ein Rebstock nach unten eingerollte Blätter, gelb mit goldenem Schimmer (weiße Sorten) oder rot (rote Sorten), dazu weiche, hängende Triebe, besteht der Verdacht auf Goldgelbe Vergilbung, international Flavescence dorée genannt. Eine Heilung gibt es nicht. Befallene Rebstöcke werden gerodet und die Überträgerzikade wird bekämpft. In Deutschland ist das seit November 2025 kein fernes Thema mehr: Erstmals wurden Erreger und Zikade gemeinsam in einem deutschen Weinbaugebiet nachgewiesen.
Die Lage in Deutschland
Das Julius Kühn-Institut (JKI) meldete am 26. November 2025 den Erstnachweis der Krankheit in Baden-Württemberg. Der Überträger, die Amerikanische Rebzikade Scaphoideus titanus, war dort bereits 2024 im Markgräflerland aufgefallen. Die Proben verdächtiger Rebstöcke stammten aus den Landkreisen Lörrach, Breisgau-Hochschwarzwald und dem Ortenaukreis. Das Nationale Referenzlabor bestätigte den Erreger. Die Analysen deuten darauf hin, dass das Phytoplasma mit infiziertem Pflanzmaterial nach Deutschland gelangt sein könnte. Ob es sich im Befallsgebiet der Zikade bereits weiter ausgebreitet hat, war laut JKI noch unklar.
Die EPPO führt Deutschland beim Erreger als „vorhanden, begrenzte Verbreitung“. Auch Frankreich, Italien, Österreich, die Schweiz und Ungarn kennen die Krankheit seit Längerem.
Was rechtlich gilt
Die Goldgelbe Vergilbung ist in der EU ein Quarantäneschadorganismus (Verordnung (EU) 2019/2072, Anhang II Teil B). Nach den Angaben des JKI folgt daraus:
- Ein Auftreten in Rebflächen ist meldepflichtig.
- Befallene Rebstöcke müssen gerodet werden, um die Infektionsquelle zu entfernen.
- Der eingeschleppte Überträger muss bekämpft werden.
- Verwilderte Unterlagsreben sollen entfernt werden. Sie dienen laut dem Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg als Wirtspflanze und damit als Reservoir für Zikade und Erreger.
Konkrete Befalls- und Pufferzonen, Fristen und zugelassene Mittel legen in Deutschland die zuständigen Behörden vor Ort fest. Wir nennen deshalb keine Mittel und keine Termine: Fragen Sie den Pflanzenschutzdienst Ihres Bundeslandes nach den aktuellen Vorgaben. Die Regeln anderer Länder zeigen, wie so ein Maßnahmenpaket aussehen kann. In Piemont (Italien) etwa gelten 2026 zwei Insektizidbehandlungen im integrierten und drei im ökologischen Anbau, die Rodung symptomatischer Stöcke bis 31. März und die Rodung der ganzen Parzelle ab 20 Prozent symptomatischer Stöcke. In Katalonien (Spanien) gilt dieselbe 20-Prozent-Grenze, mit einer Pufferzone von mindestens 2,5 km um einen Herd.
Erkennen: die Symptome
Die Goldgelbe Vergilbung ist eine Vergilbungskrankheit, ausgelöst durch ein Phytoplasma, ein zellwandloses Bakterium, das im Phloem lebt. Vergilbungskrankheiten sehen einander ähnlich, und nur ein molekularbiologischer Test unterscheidet sie sicher. Das Auge liefert einen Verdacht, keine Diagnose.
Worauf Sie achten:
- Blätter: Vergilbung mit goldenem Schimmer bei weißen Sorten, kräftige Rotfärbung bei roten. Der Blattrand rollt sich nach unten ein, bei empfindlichen Sorten entsteht eine Dreiecksform.
- Triebe: Sie verholzen nicht, bleiben gummiartig und hängen zum Boden.
- Trauben: Blüten verkümmern, Beeren schrumpfen oder vertrocknen, die Traube kann zur Lese fast leer sein. Laut JKI schmecken die Beeren bitter.
- Wann: Die Symptome zeigen sich in der Sommerhitze bis Oktober, oft erst im Jahr nach der Infektion.
- Unterlagen: Sie zeigen oft keine typischen Symptome, die Krankheit bleibt dort unentdeckt.
Der Überträger: Scaphoideus titanus
Die Zikade lebt nur an der Rebe und hat eine Generation pro Jahr.
- Eier: Sie überwintern unter der Rinde von Holz, das zwei Jahre oder älter ist.
- Larven: Sie schlüpfen ab der zweiten Maihälfte und sitzen vor allem unter den Blättern der Stammtriebe. Erkennbar sind sie an zwei symmetrischen schwarzen Flecken am letzten Hinterleibssegment, und sie springen, wenn man sie stört.
- Erwachsene Tiere: Von Ende Juni bis Oktober. Sie sind am gefährlichsten, denn sie fliegen: meist bis 30 Meter, mitunter 300 Meter und mehr.
- Übertragung: Das Insekt nimmt das Phytoplasma an einer kranken Rebe auf und kann es nach etwa 30 Tagen weitergeben. Es bleibt lebenslang infektiös, gibt den Erreger aber nicht an die Eier weiter.
Die Rebschere überträgt den Erreger nicht, auch Schnittreste im Boden nicht. Übertragen wird er aber durch Pfropfung mit infiziertem Material. Deshalb sind laut JKI Rebschulen und Junganlagen Risikobereiche.
Goldgelbe Vergilbung oder Schwarzholzkrankheit?
Beide sehen fast gleich aus. Die Goldgelbe Vergilbung verursacht das Flavescence-dorée-Phytoplasma, übertragen von Scaphoideus titanus. Die Schwarzholzkrankheit (Bois noir) verursacht ein anderes Phytoplasma, Candidatus Phytoplasma solani, übertragen von einer anderen Zikade, Hyalesthes obsoletus. Nur das Labor trennt die beiden. Der Unterschied für Sie: Die Goldgelbe Vergilbung gilt als gefährlichste der Vergilbungskrankheiten, weil sie stark epidemisch auftritt, und sie ist ein Quarantäneschadorganismus. Die oben beschriebene Melde- und Rodungspflicht betrifft sie.
Was jetzt im Herbst zu tun ist
Die Behandlungssaison ist vorbei. Jetzt arbeiten Sie an Stöcken und Holz:
- Verdächtige Stöcke markieren, die Sie zwischen August und Oktober gesehen haben, und dem Pflanzenschutzdienst melden.
- Befallene Rebstöcke roden, samt Stock und Wurzeln, und aus dem Weinberg entfernen.
- Wilde Reben und verwilderte Unterlagen an Rändern, Brachen und Ufern beseitigen.
- Schnittholz älter als zwei Jahre entfernen oder zerkleinern, denn dort liegen die Eier.
- Beim Pflanzen: zertifiziertes Material verwenden. Die Heißwasserbehandlung von Vermehrungsmaterial wird in Piemont empfohlen (50 °C, 45 Minuten).
Die Pflanze lesen
Der Plantvoice-Sensor diagnostiziert die Goldgelbe Vergilbung nicht, das tut das Labor. Er misst Saftfluss und Salzgehalt im Stamm und sagt, ob jetzt bewässert werden soll oder nicht. In einem trockenen Jahr hilft das Wissen um den Wasserhaushalt der Rebe, Trockenstress auszuschließen, wenn sich Blätter verfärben. Wir haben erklärt, wie Sie Wasserstress erkennen, bevor Symptome auftreten, und wie der Saftflusssensor funktioniert.
Häufige Fragen
Woran erkennt man die Goldgelbe Vergilbung? Eingerollte, goldgelbe (weiße Sorten) oder rote (rote Sorten) Blätter, unverholzte, hängende Triebe, vertrocknete Trauben. Die Symptome erscheinen im Sommer und halten bis Oktober. Sicherheit gibt nur ein Labortest.
Kann man die Goldgelbe Vergilbung heilen? Nein. Befallene Stöcke werden gerodet, und die Zikade Scaphoideus titanus wird bekämpft.
Gibt es in Deutschland eine Meldepflicht? Ja. Laut JKI ist das Auftreten in Rebflächen meldepflichtig, und befallene Rebstöcke müssen gerodet werden.
Wann wird gerodet? Unverzüglich nach Feststellung, sagt das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg für die betroffene Region. Genaue Fristen legt die zuständige Behörde fest.
Was unterscheidet sie von der Schwarzholzkrankheit? Fast gleiche Symptome, aber anderer Erreger und anderer Überträger: Scaphoideus titanus bei der Goldgelben Vergilbung, Hyalesthes obsoletus bei der Schwarzholzkrankheit. Nur das Labor unterscheidet sie.
Sie möchten Ihren Weinberg vor der nächsten Saison besser im Blick haben? Sprechen Sie mit unseren Agronomen über ein Monitoring, oder fragen Sie nach einem Test des Plantvoice-Sensors an Ihren Reben.


